05.08.2007

Frauen Power im Elefantenhaus

Zoo Heidelberg

Vor zwanzig Jahren waren Tierpflegerinnen in der Elefantenpflege undenkbar – heute zeigen Kim Klene und Corinna Schmitt im Zoo Heidelberg täglich, dass sie mit den grauen Riesen glänzend klarkommen.

„Jenny an Platz!“ Das klingt eindeutig und Jenny geht brav dahin, wo sie beim morgendlichen Duschvergnügen zu stehen hat. Nichts besonderes – oder? Vielleicht doch, denn die Kommandos werden nicht von Karl oder Helmut sondern von Kim und Corinna gegeben. Seit zwei Jahren arbeiten im Zoo Heidelberg weibliche Tierpfleger mit den Elefanten – mit gutem Erfolg. „In vielen anderen Ländern wie Holland oder den USA sind weibliche Elefantenpfleger schon länger üblich,  in Deutschland waren sie bis vor wenigen Jahren die absolute Ausnahme,“ erläutert Corinna Schmitt, Tierpflegerin im Elefantenrevier des Zoo Heidelberg. Bei der Elefantenpflege kommt es weniger auf Kraft als auf  Köpfchen und tierpflegerisches Geschick an. Das Kräfteverhältnis Elefant zu Pfleger ist immer ungleich, selbst der stärkste Bodybuilder sieht gegenüber einem Elefanten physisch schwach aus. „Frauen sind gut in vielen Bereichen in denen Tiere gehalten und ausgebildet werden, bei Pferden, Hunden, Menschenaffen – warum nicht auch bei Elefanten?“ fragt sich Corinna Schmitt. Das heißt eigentlich fragt sie es sich nicht mehr, sondern gibt täglich im Elefantenrevier die Antwort – Elefant und Frau passt gut zusammen. Ohnehin hat sich die Elefantenpflege im Zoo gewandelt. Heute steht die Beschäftigung der Elefanten weit oben im Tätigkeitsspektrum der Elefantenpfleger. „Die Elefanten müssen sich soviel wie möglich bewegen und möglichst alle Muskeln ihres Körpers trainieren,“ erklärt Kerstin Jurczynski, Tierärztin im Zoo Heidelberg. Bei drei Tonnen Gewicht sind die Gelenke extremen Belastungen ausgesetzt und müssen von der Muskulatur unterstützt werden. „Elefanten mit schwacher Muskulatur legen sich zum Schlafen nicht mehr hin, weil sie nicht wieder aufstehen können. Die Dauerbelastung zerstört dann langsam aber sicher die Gelenke.“ Die Tierpflegerinnen im Heidelberger Elefantenrevier – und ihre männlichen Kollegen – lassen sich ständig etwas neues einfallen um die grauen Riesen in Bewegung zu bringen. Fußball spielen, das Futter aus tiefen Löchern hervorholen, sich an Stämmen aufrichten um an leckere Karotten zu kommen – das Programm wechselt täglich. Anders als bei Dressurvorführungen entscheiden die Elefanten selbst, wann sie welche Bewegungen ausüben – ein wichtiger Aspekt für das Wohlbefinden der Tiere.  „Wir freuen uns schon sehr auf das neue Elefantenhaus. Zur Zeit können wir auf der Außenanlage schon viel tun. Mit dem neuen Haus werden wir noch mehr Abwechslung anbieten können gerade auch im Winter und während der Nacht,“ sagt Corinna Schmitt und füllt kleingeschnittene Karotten in die Beschäftigungstonnen der Elefanten. Viel Arbeit bei den Elefanten für die Elefanten.