31.07.2007

Gestreifte Wonneproppen – Tigernachwuchs im Zoo Heidelberg

Zoo Heidelberg

 

Noch schlafen sie die meiste Zeit des Tages, die Augen öffnen sich gerade und die ersten Laufversuche sehen noch sehr hilflos aus: der dicke Milchbauch wird über den Boden gezogen, die kleinen Beinchen knicken noch ein. Kaum vorstellbar, dass die beiden jungen Tiger schon in vier Monaten durch das bewachsene Gehege toben und in einem Jahr elegant durch den Bambusdschungel streifen. „Junge Tiger entwickeln sich im Gegensatz zum Beispiel zu jungen Menschenaffen relativ schnell. Mit einem Jahr sind sie kaum noch von den Eltern zu unterscheiden und müssen dann auch in einen anderen Zoo abgegeben werden“ erklärt Biologin Sandra Reichler. „Aber bis dahin ist es ja noch ein wenig Zeit und wir alle werden viel Freude an dem neusten Tigernachwuchs haben.“

In der Nacht zum 16. Juli 2007 sind die beiden gestreiften Wonneproppen zur Welt gekommen. Mutter Kim bevorzugte wieder nicht die eigens für sie eingerichtete, ungestörte Wurfbox, sondern gebar ihre Jungen in einer weichen, etwas versteckten Mulde im Innengehege. Glück für die Zoobesucher, denn so ist es einfacher einen Blick auf die noch sehr kleinen Tiger zu werfen. Dadurch dass Mutter Kim vollkommen gelassen und sicher mit ihrem Nachwuchs umgeht, kann das Raubtierhaus schon jetzt zeitweise geöffnet bleiben. „Bei unserer früheren Tigerin haben wir alles getan, um die ersten 8 Wochen möglichst jede Störung zu vermeiden. Kim dagegen kümmert sich so souverän um ihren Nachwuchs, dass wir am normalen Tagesablauf  kaum etwas ändern müssen. Sie säugt ihre Jungen völlig entspannt direkt vor den Augen der Besucher, es ist fantastisch,“ berichtet Raubtierpfleger Andreas Fackel. „Natürlich wollen wir ihr zwischendurch trotzdem etwas mehr Ruhe gönnen als normal und schließen das Haus, wenn zu viele Schulklassen oder große Besuchergruppen das Haus stürmen. Aber selbst dann kann man Mutter und Jungtiere über einen Monitor beobachten.“

Noch ist das Geschlecht der beiden Jungtiere nicht bekannt, denn erst im Alter von 4-6 Wochen werden sie erstmals von der Zootierärztin untersucht und geimpft, vorher berühren auch die Pfleger die Jungtiere gar nicht, denn das könnte das enge Verhältnis zwischen Mutter und jungen Tigern stören. Die Aufzucht durch die eigene Mutter ist für die Jungtiere das Beste und sollte immer angestrebt und gefördert werden. Auch im Europäischen Erhaltungszuchtprogramm dieser gefährdeten Katzenart wird auf die Wichtigkeit der natürlichen Aufzucht durch die Mutter hingewiesen. Je mehr Tiger die Tiger in den Zoos bleiben, desto besser erfüllen sie ihre Aufgabe als Botschafter für ihre bedrohten Artgenossen im Freiland. Mindestens drei Tigerunterarten sind bereits durch den Menschen ausgerottet worden, am Erhalt der letzten gestreiften Großkatzen im Freiland beteiligen sich die Zoos durch Erhaltungszucht und aktive Unterstützung von Schutzprojekten in Sibirien, Indien oder auf Sumatra.