|
|
Noch schlafen sie die meiste Zeit des Tages, die
Augen öffnen sich gerade und die ersten Laufversuche
sehen noch sehr hilflos aus: der dicke Milchbauch
wird über den Boden gezogen, die kleinen Beinchen
knicken noch ein. Kaum vorstellbar, dass die beiden
jungen Tiger schon in vier Monaten durch das
bewachsene Gehege toben und in einem Jahr elegant
durch den Bambusdschungel streifen. „Junge Tiger
entwickeln sich im Gegensatz zum Beispiel zu jungen
Menschenaffen relativ schnell. Mit einem Jahr sind
sie kaum noch von den Eltern zu unterscheiden und
müssen dann auch in einen anderen Zoo abgegeben
werden“ erklärt Biologin Sandra Reichler. „Aber bis
dahin ist es ja noch ein wenig Zeit und wir alle
werden viel Freude an dem neusten Tigernachwuchs
haben.“
In der Nacht zum 16. Juli 2007 sind die beiden
gestreiften Wonneproppen zur Welt gekommen. Mutter
Kim bevorzugte wieder nicht die eigens für sie
eingerichtete, ungestörte Wurfbox, sondern gebar
ihre Jungen in einer weichen, etwas versteckten
Mulde im Innengehege. Glück für die Zoobesucher,
denn so ist es einfacher einen Blick auf die noch
sehr kleinen Tiger zu werfen. Dadurch dass Mutter
Kim vollkommen gelassen und sicher mit ihrem
Nachwuchs umgeht, kann das Raubtierhaus schon jetzt
zeitweise geöffnet bleiben. „Bei unserer früheren
Tigerin haben wir alles getan, um die ersten 8
Wochen möglichst jede Störung zu vermeiden. Kim
dagegen kümmert sich so souverän um ihren Nachwuchs,
dass wir am normalen Tagesablauf kaum etwas ändern
müssen. Sie säugt ihre Jungen völlig entspannt
direkt vor den Augen der Besucher, es ist
fantastisch,“ berichtet Raubtierpfleger Andreas
Fackel. „Natürlich wollen wir ihr zwischendurch
trotzdem etwas mehr Ruhe gönnen als normal und
schließen das Haus, wenn zu viele Schulklassen oder
große Besuchergruppen das Haus stürmen. Aber selbst
dann kann man Mutter und Jungtiere über einen
Monitor beobachten.“
Noch ist das Geschlecht der beiden Jungtiere nicht
bekannt, denn erst im Alter von 4-6 Wochen werden
sie erstmals von der Zootierärztin untersucht und
geimpft, vorher berühren auch die Pfleger die
Jungtiere gar nicht, denn das könnte das enge
Verhältnis zwischen Mutter und jungen Tigern stören.
Die Aufzucht durch die eigene Mutter ist für die
Jungtiere das Beste und sollte immer angestrebt und
gefördert werden. Auch im Europäischen
Erhaltungszuchtprogramm dieser gefährdeten Katzenart
wird auf die Wichtigkeit der natürlichen Aufzucht
durch die Mutter hingewiesen. Je mehr Tiger die
Tiger in den Zoos bleiben, desto besser erfüllen sie
ihre Aufgabe als Botschafter für ihre bedrohten
Artgenossen im Freiland. Mindestens drei
Tigerunterarten sind bereits durch den Menschen
ausgerottet worden, am Erhalt der letzten
gestreiften Großkatzen im Freiland beteiligen sich
die Zoos durch Erhaltungszucht und aktive
Unterstützung von Schutzprojekten in Sibirien,
Indien oder auf Sumatra.
|