04.05.2009
Das wertvollste Waldgebiet Afrikas ist vorerst gerettet!
Zoo Heidelberg

Heidelberger Zoo auch im Naturschutz erfolgreich. Palmölgesellschaft gibt Pläne zur Umwandlung in Plantangen auf!

Es gibt sie noch die guten Nachrichten im Naturschutz: Am 20. April 2009 hat PALMCI, die größte Palmölgesellschaft der Elfenbeinküste bekannt gegeben, dass sie das Projekt zur Nutzung des Tanoe-Waldes aufgibt – es sei „wegen der Einmischung der Naturschützer zu kompliziert“ geworden.

Der Tanoe-Wald im Osten der Elfenbeinküste beherbergt die letzten lebensfähigen Populationen mehrerer bedrohter Affenarten: Roloway-Meerkatzen und Weißscheitelmangaben sowie wahrscheinlich die einzigen Individuen des Miss Waldrons Rotcolobus die weltweit noch existieren – eine Art, die Anfang dieses Jahrtausends bereits als ausgerottet gemeldet wurde. Genau dieses extrem wertvolle Waldgebiet wollte PALMCI im letzten Jahr in eine Palmölplantage verwandeln.

Im Frühjahr 2008 erschütterte eine Nachricht die Naturschützer weltweit: Der Tanoe-Wald sollte einer Palmölplantage weichen. 80 km² Sumpfwald voller bedrohter Pflanzen und Tiere drohten verloren zu gehen. In einer Blitzaktion organisierten Naturschützer vor Ort, angeführt von Inza Kone`, der im März 2009 in den Niederlanden den bedeutenden Preis „Future for nature“ erhalten hat, und ihre europäischen Freunde eine Rettungsaktion. In Europa waren es vor allem die im Zoo Heidelberg stationierte WAPCA e.V. (West African Primate Conservation Action), der Zoo Mulhouse, dessen Direktor Pierre Moisson das Zuchtprogramm für die Roloway-Meerkatzen leitet und die Naturschutzorganisationen CEPA sowie „Rettet den Regenwald“, die sich gegen den drohenden Verlust dieses einmaligen Lebensraumes stemmten. „Wir haben in dieser Zeit Tausende von Briefen geschrieben, unser gesamtes Netzwerk von Zoos, Naturschutzorganisationen aber auch umweltbewussten Unternehmen aktiviert, mit den Mehrheitsaktionären von PALMCI – Unilever und später Wilmar – den direkten Kontakt aufgenommen um allem klarzumachen: hier gibt es keine Alternative, dieser Wald muss erhalten bleiben“, beschreibt Dr. Klaus Wünnemann, Chairman von WAPCA und Direktor des Zoo Heidelberg die Situation im letzten Jahr. „Wir konnten das Thema bis auf die Biodiversitätskonferenz in Bonn tragen und haben Unterstützung aus vielen Ländern der Erde von Australien bis Kanada erhalten. Wir sind zusammen mit Inza Kone sehr froh, dass dieser wichtige Schritt zum Erhalt des Tanoe-Waldes und seiner Affen gelungen ist. Jetzt gehen wir neu motiviert daran, mitzuhelfen, dauerhafte Perspektiven für den Naturschutz in der östlichen Elfenbeinküste und im westlichen Ghana zu entwickeln und umzusetzen“. Als erstes werden Dr. Inza Kone und Katherine Burns, die Koordinatorin der Arbeit von WAPCA in Ghana, zusammen die wichtigsten Punkte für eine zukunftsfähige weitere Arbeit zusammentragen. „Wir möchten erreichen, dass die Menschen der Region stolz darauf sind, die wertvollsten Wälder Afrikas vor ihrer Haustür zu haben und den Schutz der Wälder zu ihrer Sache machen. Dafür ist es wichtig sich auch Gedanken über die wirtschaftliche Zukunft der Region zu machen. An den Plantagen mit Ölpalmen hätten nur wenige verdient , das ist keine langfristige Hilfe für die Bevölkerung,“ so Dr. Wünnemann.

WAPCA e.V. arbeitet seit 7 Jahren in Ghana für den Schutz der bedrohten Primatenarten und ist seit drei Jahren auch in der Elfenbeinküste engagiert. Die Wälder dieser als Upper Guinean Forest bezeichneten Region gehören zu den weltweiten Hotspots der Biologischen Vielfalt, den artenreichsten Gebieten unseres Planeten.
Der Zoo Heidelberg hält mit acht Tieren ein Viertel des Weltbestandes der Roloway-Meerkatzen in menschlicher Obhut. WAPCA e.V. ist das größte Naturschutzprojekt des Zoo Heidelberg, der sich auch für die Wiederansiedlung des Feldhamsters in Nordbaden und den Naturschutz in Mittelamerika und Südostasien engagiert.

Bei Rückfragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Bitte wenden Sie sich an Steffanie Richter, Tel: 06221 6455-27, Mail: steffanie.richter@heidelberg.de